Umweltorganisationen kritisieren: Hinter Recycling-Mode steckt oft Greenwashing. Weil das Image von Kunstfasern wie Polyester bröckelt, wollen Textilhersteller auf recycelte Mode umstellen – und übersehen dabei das wahre Problem.

 

Nahezu jeder trägt erdölbasierte Materialien wie Polyester täglich auf seiner Haut: Fast 2/3 aller verwendeten Materialien in der Textilproduktion bestehen aus Kunstfasern aus dem wertvollen Rohstoff.

FASHION-MÜLLBERGE

 

ⓒ Al Jazeera

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Das günstige Material ist sozusagen der Motor der Fast-Fashion-Industrie und das verursacht ganze Müllberge aus den Synthetikfasern. Laut Greenpeace hat sich der Einsatz von Polyester in den Jahren 2000 bis 2016 von rund 8 Tonnen auf über 21 Tonnen erhöht! Und weil Fast-Fashion eben nicht auf Qualität und Langlebigkeit ausgelegt ist, landen wertvolle Rohstoffe einfach im Müll. Die Kleidungsstücke der Modegiganten Inditex, H&M und Co. sind nämlich nur auf ca. 10 Mal Tragen ausgelegt, bis sie auseinanderfallen und nicht mehr verwendet werden.

 

SPORTMARKEN POLIEREN IHR IMAGE AUF

Dieses Problem hat sich mittlerweile schon herumgesprochen und ist natürlich schlecht für das Image von Textilherstellern. Fast-Fashion-Giganten wollen daher auf recycelte Materialien setzen: Nike verkündet, dass ¾ seiner Sportschuhe schon jetzt aus recycelten Materialien bestehen würden. Adidas möchte bis 2024 ausschließlich auf wiederverwertete Polyesterfasern zurückgreifen und keine neuen Synthetikfasern mehr produzieren. Umweltorganisationen geht das zu langsam.

 

FISCH MIT POLYESTER-BEILAGE?

Das sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, das Polyester an sich ist jedoch schon ein Umweltproblem – ob recycelt oder nicht. Beim jedem Waschen gelangen unzählige Mikrofasern ins Abwasser: Eine mit 2,8 kg Polyester gefüllte Waschmaschine gibt pro Waschgang rund 460.000 Kunststoffpartikel ab, die dann in Meere, Meerestiere und wiederum auf unseren Teller gelangen.

 

BUY LESS, CHOOSE WELL

 

Umfrage von Greenpeace über Fashion-Konsum der Deutschen

Umfrage von Greenpeace über Fashion-Konsum der Deutschen

 

Die einzige Lösung gegen das Problem? Weniger einkaufen! Im Durchschnitt kauft jede(r) Deutsche 60 neue Kleidungsstücke jährlich, wovon mindestens ein Drittel nur selten oder nie getragen werden. Die Sachen die man trägt, wirft man im Schnitt schon nach einem bis 3 Jahren weg – das ist nur halb so lange wie noch vor 15 Jahren, zeigt eine Umfrage von Greenpeace. Frei nach Designerin Vivienne Westwood sagen wir dazu: „Buy less, choose well, make it last“!