Die Geschichte einer unglücklichen Liebe. Alles fing letzten Sommer damit an, dass meine Haarfarbe und ich uns auseinandergelebt hatten. Keiner von uns beiden strahlte mehr, nicht ich und mein nicht definierbares Fake-Blond schon gar nicht. Ich ging den üblichen Schritt bei Beziehungsproblemen und machte einen Termin beim Friseur. Der hatte ein verständnisvolles Ohr und natürlich sofort einen Plan: Platinblond würde sämtliche Blässe aus meinem Gesicht bannen! Nach viereinhalb Stunden Strähnenmarathon prangte auf meinem Kopf die beste und coolste Farbe, die ich je hatte. MEINE Farbe, für IMMER – dachte ich. Meine Haare fanden im Gegensatz zu mir die regelmäßigen Färbeprozeduren weniger und weniger genial und begannen zu rebellieren. Zuerst mit trockenen Spitzen und porösen Strähnen, danach mit Haarbruch. Als ich nach und nach auch noch große Büschel meiner einstigen Goldlocken in den Händen hielt, wusste ich: der Bund mit Platinblond kann nicht von Dauer sein. Meine Haar-Struktur war dafür einfach nicht geschaffen: leichte Naturwelle, Hang zu Frizz, aufgeraute Keratin-Schicht. Schweren Herzens trennte ich mich von Platinblond und suchte zusammen mit meinem Haar Hilfe.

 

Phase 1 –  Reset:

 

Viele Beziehungsratgeber raten zum kompletten Neuanfang. Der Haar-Profi auch. Keine Chemie mehr, keinen Stress! Sein Rat: Nur noch natürliche Pflege fürs Haar, zwei bis dreimal die Woche waschen – nicht mehr, Föhn und Lockenstab aus dem Bad bannen. Und zuallererst: zurück auf Los und Großreinemachen. Für ein intensives Cleansing-Treatment suche ich mir Hilfe im Salon – besser, bei Leonor Greyl in der Rue Tronchet 15 in Paris. Mit haarigen Dingen kennt man sich dort aus, schließlich gibt es eine eigene rein natürliche Pflegelinie und jede Mende Spezial-Behandlungen. Warum also nicht in die Stadt der Liebenden auch mal als frisch Getrennte reisen. Positive Vibes können nur gut sein. Der Salon bietet exklusive Behandlungen für gestresstes, geschädigtes oder lichter werdendes Haar. Angekommen in der Belle Etage werde ich freundlich empfangen und erstmal in einen blütenweißen Kaftan gehüllt. Danach besprechen Haar-Expertin Alice und ich das Procedere. Um das Haar gezielter behandeln zu können, werden Haar und Kopfhaut zuerst analysiert. Das Ergebnis in meinem Fall: Kopfhaut und Ansätze sind mit Talg und Produktrückständen verklebt, die Längen viel zu trocken – wüstentrocken! Um beides wieder ins Lot zu bringen beschließt Alice, die Kopfhaut intensiv zu reinigen, das Haar hingegen intensiv zu pflegen. Ich werde angenehm auf eine Liege gebettet, bevor Alice zur Tat schreitet. Eine eigens auf mein Haar-Problem abgestimmte und vor Ort frisch angemixte Maske mit getrocknetem Sellerie – dem absoluten Reinigungsgenie, wie ich höre – wird rundum auf die Kopfhaut aufgetragen. In die trockenen Längen und Enden arbeitet Alice danach mit Muse das hauseigene Pflegeöl „L’Huile de Leonor Greyl“ ein. Damit nicht nur meine Haare, sondern auch ich entspanne, bekomme ich während der Einwirkzeit eine herrliche Nacken- und Schultermassage. Dann geht es weitere 10 Minuten unter die „Dampfhaube“. Wie bei Facials können sich die Wirkstoffe so besser entfalten. Das Tolle: zum Ausspülen bleibt man auf der Liege liegen, das Wachbecken wird einfach in der Höhe angepasst. Mit einer simplen Haarwäsche hat das Procedere dann wieder gar nichts zu tun. Auch meine Kopfhaut wird wieder kräftig massiert. Alice erklärt dazu, wie wichtig es ist, dass die Kopfhaut gut durchblutet ist und atmen kann. Eine bessere Blutzirkulation führt zur optimalen Sauerstoffversorgung der Zellen und gibt denen natürlich wiederum den richtigen Wachstums-Push. Nur so kann sich das nachwachsende Haar von der Wurzel an erholen. Verstehe! Einen super Benefit gibt es on Top: der saubere Ansatz schenkt dem Haar wieder mehr Volumen und Stand. Mega! Nach dem Föhnen gibt’s es noch einen Klacks „L’Huile“ für mehr Glanz ins Haar und neben meinen Must-Have-Produkten in die Hand noch Hausaufgaben: Zukünftig Shampoo nur noch in die Ansätze packen, Conditioner und Intensiv-Pflege einzig in den Längen. Mit edlem Pariser Style und guter Dinge in puncto P(H)aar-Counseling verlasse ich nach einer Stunde Traumbehandlung den Salon und schlendere erhobenen und prächtigen Hauptes Richtung Strassencafe.

 

Phase 2 – neue Routine:

 

Wieder zuhause stelle ich meine komplette Haarpflege um. Zusätzlich zu den von Alice empfohlenen Produkten staple ich Repair-, Farb-, Volumen- und Styling-Spezialisten auf meinem Badewannenrand. Die nächsten Wochen werden zur Test-Phase für ein neues Meine- Haare-und-Ich-Team-Gefühl: Was tun für Glanz? Was revitalisiert und schenkt gleichzeitig Volumen? Was hält die Farbe strahlend? Was verwenden, wenn das Haar nach ultimativer Wallemähne aussehen muss? Nach und nach kristallisieren sich Favoriten, SOS-Helfer und beste Alliierte heraus. Ich stelle fest, dass „Customizing“ in meinem Fall ideal ist. Dass mein Haar und ich für Glanz natürliche Öle oder ein klassisches Blow-Dry beim Friseur brauchen, für eine Wow-Mähne die Kombination aus Peeling, Farb-Shampoo und Feuchtigkeitsbooster funktioniert und Volumen nur mit extra Stylingprodukt angesagt ist. Am Ende habe ich meine Best-off Riege gefunden – mit einfach drauf los waschen, wild durcheinander kombinieren, nicht immer dieselben Produkte verwenden und viel VIEL Geduld haben. Unsere Haar-Ich-Beziehung wird mit Zuwendung und jeder Menge Natur von Woche zu Woche besser: In der Bürste finden sich wieder nur die täglichen 100 Haare, die üblicherweise ausfallen. Die Goldlocken verhalten sich weniger zickig, lassen sich nass besser kämmen und sehen nicht mehr jeden Tag aus wie Stroh. Anfänglich hatte ich noch an Trennung und radikalen Pixie-Cut gedacht – nun bin ich optimistisch, dass wir es schaffen!