Sie hauchen dem Begriff Spiritualität eine angenehme Leichtigkeit ein, finden Mode genauso anregend wie die Natur und versichern uns, daß es ok ist, uns so zu mögen wie wir sind. Die Rede ist von den Pionierinnen des Now Age: einer neuen, ansprechenden Gruppe (amerikanischer) Mystikerinnen, die Wege in ein neues Zeitalter bahnen, in dem transformative Erfahrungen der neue Luxus sind.

 

 

Wenn man in Los Angeles auf der hippen Shopping Meile am Abbot Kinney Boulevard im Stadtteil Santa Monica in den schönen Konzeptläden stöbert, findet man neben handgemachten Ledertaschen und Schmuck auch Kristalle, Salbei und Palo Santo Räucherholz. Letztere Utensilien gehören hier genauso zum Alltag wie der Protein Shake nach der morgendlichen Wanderung durch die sandigen Canyons in Hollywood Hills. Ähnlich wie dem Kultivieren von Gaumenfreuden, das uns währenddessen auf der anderen Seite des Landes bärtige Männer aus Williamsburg durch ausgefinkelte Kaffeebraumethoden oder hausgemachte Limo in Marmeladegläsern zeigen, geht es um das Zelebrieren einer Lebenseinstellung. An der aufgeschlossenen Westküste stand diese schon immer in Verbindung mit dem Mystischen. Die Landschaft dort, ob steile Meeresküsten oder die Weite der Wüste, bietet die perfekte Kulisse für einen ungestörten Draht mit dem Höheren oder uns selbst. Und auch einen guten Nährboden für die wachsende Zahl an stimmungsmachenden Instagramseiten moderner Mystikerinnen. Anstatt veganer Kuchenrezepte wie auf den DIY Hipster Blogs posten sie Ingredienzen für Vollmond Bäder mit Kräutern und Mondquartz. Diese kleinen Rituale sind jedoch weniger als Einladung zu sehen, die Geister zu beschwören, als sich bewusst Zeit zu nehmen, für sich selbst und den nach Außen gelebten Cult of Self als Akt der liebevollen Selbstfürsorge nach Innen zu lenken.

Letzteres fügt sich widerum ganz spannend in die zentrale Botschaft dieser neuen Gruppe von ‘Persönlichkeits-Entwicklungshelfern’ ein, denn wenn man sich selbst gut fühlt, hat das nicht nur für einen selbst positive Auswirkungen.

 

Lebenslust als Lebensziel

 

 

Im Prinzip nichts Neues, hatten schon in den 1960ern moderne Philosophen wie der in Kalifornien residierende Alan Watts ähnliche Themen beackert, als er erstmals dem westlichen Publikum die Lehren des Zen Buddhismus näherbrachte: The art of living… is to be completely engaged with what you are doing in the here and now. And instead of calling it work, realize it is play.

Wenngleich mit einer wonnigen Portion Selbsthumor gesegnet, war Watts ein Theoretiker der alten Schule. Das machen die modernen Mystikerinnen anders. Sie sind mit uns vor Ort im Alltag – dort wo uns die hinterlistigen Gefühle wie Zweifel, die Angst vorm Unbekannten oder dem Loslassen eines Partners ganz unerwartet heimsuchen. Wortgewandt und geistreich verpacken sie ihre lebensbejahenden kosmischen Downloads dazu in Mini Instagram Essays, und verbildlichen sie durch schöne Grafiken und Fotos von malerischen Sonnenuntergängen oder von sich selbst in stylischen Leinenkleidern in der Wüste um Joshua Tree. Dabei sind sie aber weit weg vom Klischee der kristallkugellesenden rothaarigen Matrone (diese findet man vielleicht noch in irgendwelchen Gassenlokalen in LA mit der Psychic Readings Neontafel vorne drauf), sondern tragen Lederjacken, sind ‘working mums’, und veröffentlichen ihre Dating Malheure auf Instagram mit hunderten von Likes pro Post. Das Now Age, wie wir es kennen.

 

 

Self Expression als ultimativer Akt der Befreiung

 

Eine dieser neuen Mystikerinnen und medialen Stimmungsmachern ist Alexandra Roxo aus LA. Mit ihren Beiträgen verbindet die Holy F*ck Kolumnistin auf dem The Numinous Blog Themen wie Lust und Spiritualität auf greifbare Weise, indem sie zum Beispiel ganz ungeniert behauptet, dass ‚der Ursprung des Lebens nicht im Hirn liegt, sondern in der Pussy’. Und damit wohl nicht nur den Frauen aus der Seele spricht. Sexuelle Energie macht kreativ, und das können wohl viele von uns gut im Berufsleben gebrauchen. Mit ihrem (ironischerweise) feuerroten Lockenkopf versprüht Alexandra Roxo vor allem Lebenslust, und sprengt jegliche Verbindungen zur Esoterik Schublade, indem sie uns zu verstehen gibt, dass wir viele Seiten in uns tragen, die alle ausgelebt werden wollen.

Keine Angst davor zu haben, ehrlich zu sich selber zu sein. Sich auf das Menschsein einzulassen, und auf das zu vertrauen, was man gerade in sich selber spürt, auch wenn man es morgen wieder ganz anders empfindet. Rückübersetzt mit dem Vokabular der Mystik also: die Planeten da oben verändern sich ständig im Tanz zueinander, und so tun es auch wir hier unten (‘as above, so below’, so die kosmische Faustregel). Die magischen Zauberworte dafür: Loslassen und Vertrauen. Nur, wenn das so einfach wäre.

 

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